Jahrestreffen 2011
   Bilder  1    Bilder  2    

Urviecher und andere seltene Vögel
Ein Bericht über das Mitgliedertreffen in Seeheim-Jugenheim von Karl-Heinz Neues


Donnerstag, 19. Mai 2011 (Tag der Anreise)
Wer zum diesjährigen Treffen der Motivgruppe anreiste, der musste an den Rand des Odenwalds. Im Stettbachtal, einem engen bewaldeten Seitental nicht weit von Seeheim-Jugenheim entfernt, fand man den ruhig gelegenen Brandhof, unser Hotel für die nächsten Tage.
Wie sich im Laufe des Treffens herausstellte, war der Brandhof ein Glücksgriff. Unser Vorsitzender Harald Friemann, der das Treffen organisierte, hatte dieses Hotel ausgewählt und es war mit seinen großzügigen Außenanlagen, mit seinem modernen Wintergarten und dem rustikalen Schank- und Restaurantbereich wie für unsere Gruppe gemacht. Zudem hatte es den Ruf, hier sehr gut essen zu können, doch davon später. Von Beginn an konnte man sich wohlfühlen und dieses gute Gefühl hielt an. Das Serviceteam des Hotels hatte daran einen wesentlichen Anteil. War es doch mit unaufdringlicher Aufmerksamkeit ständig präsent und sorgte für uns mit einer herzlichen Freundlichkeit während aller Tage unseres Aufenthaltes.

Im Laufe des Nachmittags trudelten so pö a pö die Mitlieder ein und die Wiedersehensfreude war groß. Die Orte im Hotel, wo sie sich grade trafen, waren deutlich am ansteigenden Lärmpegel auszumachen. Aber egal, ein Jahr war rum, man hatte viel erlebt und das wollte erzählt werden, von Allen und gleichzeitig – wen wundert es, dass selbst beim hervorragenden Abendessen keine gefräßige Stille aufkommen wollte.
Im Gegensatz zu den bisherigen Treffen, bei denen wir uns über großzügigen Büfetts hermachten und begeisterten, wurde im Brandhof ein dreigängiges Menü serviert dessen Hauptgericht aus fünf Vorschlägen der Küche individuell auszuwählen war. Angeboten wurden regionale Leckereien, Vegetarisches, Fleisch- und Fischgerichte, wobei vor allem die Forellen aus der hauseigenen Zucht in erstklassiger Qualität und Zubereitung auf den Tisch kamen. Ein herrliches Vergnügen, dieses Essen in angenehmer Gesellschaft.
Während sich nach dem Essen im Schankraum und im Wintergarten Grüppchen bildeten und bei gepflegten Getränken die Probleme der Welt besprachen, enterten die Philatelisten den uns zu Verfügung stehenden kleinen Saal und holten Kästen und Alben an Bord und dann ging es los: Tausch und Plausch.


Freitag, 20. Mai 2011 (Tag der Wissenschaft)
Nach dem Frühstück (Auch darüber könnte ich eigentlich Einiges begeistert berichten. Da ich aber den Verdacht hege, vom Lesen nahrhafter Texte zuzunehmen, verkneife ich mir das.) war nach dem Willen unseres Vorsitzenden die Förderung der allgemeinen Bildung angesagt und der Besuch der Grube Messel geplant.
Das Ziel sollte in Kolonne mit unseren Privat-Kfz erreicht werden. Jedoch hatte niemand mit Darmstadt gerechnet. In dem städtischen Verkehr zerbröselte die Kolonne sofort, aber trotz fehlender Wegweiser steuerte jedes Einzelfahrzeug mit taubenartigem Orientierungssinn unverzüglich die Grube an und nachdem das erste dort war, trudelten innerhalb einer Viertelstunde auch alle anderen ein. Praxis ist, wenn alles klappt und keiner weiß warum.
Als verhältnismäßig kleiner Tagebau hat die Grube Messel einen Durchmesser von ca. 800 m, nichts mit dem man jemanden beeindrucken könnte, der den Braunkohletagebau kennt. Doch hier wurde in dem abgebauten Ölschiefer, er wurde zur Rohölgewinnung genutzt, noch Anderes gefunden. In dem bituminösen Gestein befanden sich hervorragend erhaltene Fossilien von Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Fischen, Insekten und Pflanzen. Besonders die Urzeitpferdchen machten die Grube weltberühmt und so wurde sie dann 1995 zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt. Der völlig unverständliche Plan einiger regionaler Politfürsten, aus der Grube eine Müllkippe zu machen, war damit Gott sei Dank vereitelt.
Die vom Besucherzentrum abgestellte Geologin übernahm unsere Führung und erklärte in kompetent charmanter Weise die Exponate der zum Teil spektakulär gestalteten Ausstellung. Höhepunkte waren einmal die rasante Reise durch das Bohrloch einer Forschungsbohrung in die Vergangenheit der Grube, wobei die vermeintliche Drehbewegung so manche verschämt zu Boden blicken ließ und natürlich die Schatzkammer, in der ein Teil der gefundenen Originalfossilien gezeigt wurde.
Nach einer Pause in der Kantine des Besucherzentrums wurden die bisher erlangten theoretischen Kenntnisse vor Ort in der Grube ergänzt und irgendwie hatte ich den Eindruck, dass sich der eine oder andere hier etwas weniger Aufsicht gewünscht hätte, um mal selber auf die Suche gehen zu können. Eine kleine Eisenbahn auf Rädern erwartete uns nach dem Aufstieg aus der Grube und brachte uns zu einem Museum in der Ortschaft Messel. Hier wurde unter der fachkundigen Führung des Museumsleiters das bisher erlangte Wissen weiter vertieft.
Wir beendeten den Besuch der Grube Messel und damit den fossilen Teil des Tages und kehrten ins Stettbachtal zurück. Bei herrlichem Wetter war für ein Rückkehr-Bierchen oder ein wenig Ruhe im Garten noch etwas Zeit, bevor dann die nächste Weiterbildung begann.
Wann sind philatelistische Besonderheiten in einem Exponat selbsterklärend und sollten deshalb ohne Text präsentiert werden und bei welchen Besonderheiten ist eine Beschreibung unumgänglich? Mit einer Vielzahl von Beispielen zeigte Damian Läge gängiges Sammlerverhalten auf und setzte dann seine Ansichten dagegen. Das fesselnde Thema forderte die Zuhörer zur Mitarbeit und kontrovers geführter Diskussion heraus und so mancher alte Zopf (das haben wir schon immer so gemacht) musste dran glauben. Die Zeit verflog und wir mussten die Weiterbildung abbrechen und den Rest auf den folgenden Tag verschieben. Denn es wurde zum Abendessen gerufen (ja, ja, und das war wieder mal zum reinsetzen).
Und nun folgte, was an dieser Stelle immer folgt, Tausch und Plausch bis in die Puppen.


Samstag, 21. Mai 2011 (Tag der Ornithologie)
Die diesjährige Vogelwanderung führte die Gruppe in die Wagbachniederung bei Waghäusel. Von diesem Naturschutzgebiet, mit Wasserflächen und Schilfbeständen, mit Schlammgebieten, Nasswiesen und Riedflächen, versprach ich mir als passionierter Wasservogelliebhaber, eine Reihe guter Beobachtungen und es fing auch sofort gut an. Auf dem Weg zur ersten Wasserfläche wurden wir regelrecht von einer Nachtigal zur anderen weitergereicht. Sie waren in den Büschen neben dem Weg höchstens als Schemen einmal zu sehen, aber ihr Gesang begleitete uns bis das Gelände offener wurde. Durch die Größe des Gebietes musste nun jeder für sich entscheiden wohin er seinen Beobachtungsschwerpunkt legte und so teilte sich die Gruppe auf und verschwand im Gelände. Mit mir und meinen Erwartungen lief aber anscheinend irgendetwas schief – ich war immer dort, wo grade nichts zu sehen war – und so hörte ich ganz grün vor Neid den Sichtmeldungen der anderen zu, die von Blaukehlchen und Purpurreihern erzählten. Letztlich war ich aber auch zufrieden, ich konnte ganz aus der Nähe Streifengänse, Kolben- und Schnatterenten beobachten und eine jagende Rohrweihe sieht man auf so kurze Distanz auch nicht alle Tage.
Gegen 15:00 Uhr mussten wir im Hotel sein. Die Mitgliederversammlung stand an und es waren einige zukunftsweisende und auch schwierige Entscheidungen zu treffen. Ehe wir aber begannen wurde Brigitta Großkopf für ihre hervorragenden philatelistischen Leistungen mit der Ehrennadel des BDPh in Bronze ausgezeichnet. Die dann folgende, engagiert geführte Versammlung wurde zur Überraschung aller, schneller beendet als vermutet und so war denn Zeit genug für eine kleine, von Kristina Rascher angeregte und organisierte Auktion. Philatelistische Belege, aber auch Porzellan, Bücher und Shirts mit ornithologischen Motiven wurden ausgerufen. Besonders lohnend war es, den Auktionator etwas genauer zu beobachten. Mit psychologisch ausgefeilten, manchmal aber nur haarsträubenden Verkaufsargumenten, versuchte Damian Läge die Lose an den Käufer zu bringen. Seine ausgeklügelten Strategien, sie hätte jeden hanseatischen Fischmarktverkäufer zum Schwärmen gebracht, zeigten Erfolg. Er konnte eine Verkaufsquote von fast 100 % erreichen und das sollen ihm die Profis einmal nachmachen. Ein Heidenspaß, den wir uns für kommende Treffen merken sollten.
Die am Vortag begonnene philatelistische Weiterbildung wurde nun weitergeführt und es entwickelte sich, ebenfalls wie am Vortag, ein reger Austausch von Gedanken und Ideen. Gegen Ende mussten wir uns doch noch beeilen, denn es war wieder einmal Zeit für ein hervorragendes Abendessen.
Rund um den Spargel – so das Thema dieses Essens. Doch bevor wir es beginnen konnten, hatte ich noch eine schöne Aufgabe. Als meine erste Amtshandlung hatte ich die große Ehre Harald Friemann im Namen der Mitglieder zum Ehrenvorsitzenden und Ehrenmitglied der Motivgruppe Ornithologie e. V. zu ernennen. Seit der Gründung 1974 führte er die Gruppe und gemeinsam mit den Mitgliedern machte er sie zu einer allseits anerkannten, erfolgreichen und geachteten Arbeitsgemeinschaft. Ein schweres Erbe für den Nachfolger.
Auch seiner Frau Heide durfte ich mit einem Blumenpräsent danken. Während all dieser Jahre hatte sie Verständnis und übte Toleranz gegenüber einem Hobby, wie es oft dominanter nicht sein konnte.
Wie schon die Abende vorher, wurden nach dem Essen Kisten und Kasten hervorgeholt und man konnte erwachsene Menschen dabei beobachten, wie sie weltentrückt philatelistisches Material durchsuchten und mit frohem Gesicht einen gefundenen Absenderfreistempel in Sicherheit brachten. Es war also ein ganz toller Abend.


Sonntag, 22. Mai 2011 (Tag der Abreise)
Nur wenige Mitglieder blieben nach dem Frühstück im Stettbachtal zurück, um noch die eine oder andere Sehenswürdigkeit in der Nähe zu besuchen. Fast alle packten oder verabschiedeten sich. Der Lärm dabei war gehörig, aber doch nicht ganz so laut wie am Donnerstag und ein kleiner wehmütiger Unterton war auch festzustellen. Eine schöne Zeit mit interessanten Menschen war vorüber.


Auf Wiedersehen in Haldensleben!